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Filmemachen muss unter die Oberfläche
gehen, sonst macht es keinen Spaß.. sagt David Lynch,
der wohl eigenwilligste und kompromissloseste unter
den amerikanischen Regisseuren. Lynchs Filme dringen
in unbekannte Territorien vor, loten realistische Abgründe
aus, erkunden die Schattenreiche von Phantasie und Unterbewusstsein.
Unablässig erschließen sie dem Kino neue Themen, Motive
und Erzählformen und gehen dabei nicht nur unter die
Oberfläche, sondern auch unter die Haut.
Lynch wuchs mit drei Geschwistern auf. Sein Vater arbeitete
im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums, für das
er wissenschaftliche Forschungsaufträge übernahm. Berufsbedingt
musste er häufg umziehen, so dass David während seiner
Jugend den Nordwesten der USA - Schauplatz von "Blue
Velvet" (1986) und "Twin Peaks" (1991)
- gut kennenlernte.
Zur Highschool ging er dann in Alexandria,
Virginia. Seinen Abschluss machte er 1964. Berufsziel:
Maler. Nach einem chaotischen Jahr mit einer gescheiterten
Europa-Reise, einem abgebrochenen Studium an der Boston
Museum School und einer Serie von schlechtbezahlten
Jobs schrieb Lynch sich gemeinsam mit seinem Schulfreund
(und heutigen Regiekollegen) Jack Fisk an der Pennsylvania
Academy of Fine Arts in Philadelphia ein.
Dort studierte er bis 1970 Malerei,
interessierte sich aber auch zunehmend für das Filmemachen.
So drehte er, nach einigen frühen Versuchen, den vierminütigen
"Alphabet" (1968), der ihm ein Stipendium
beim American Film Institute einbrachte. Am AFI realisierte
er den 34-minütigen "Grandmother" (1970),
in dem sich ein Junge mit einem geheimnisvollen Samen
seine eigene Großmutter pflanzt.
1972 begann Lynch mit den Dreharbeiten
zu "Eraserhead", die sich wegen Geldmangels
über fünf Jahre erstreckten. Der Film - eine surreale
Albtraumvision in Schwarzweiß - entwickelte sich zum
jahrelang laufenden Mitternachts-Hit in den Programmkinos
der Großstädte.
Trotzdem dauerte es drei Jahre, ehe Lynch - dank Mel
Brooks - seinen zweiten Spielfilm drehen durfte: "Der
Elefantenmensch" (1980) mit John Hurt als Titelfigur
und Anthony Hopkins erntete acht Oscar-Nominierungen
und machte Lynch schlagartig zum gefragten Regisseur.
Sämtliche ihm angebotenen Mainstream-Produktionen (darunter
"Die Rückkehr der Jedi-Ritter") lehnte er
jedoch ab und schrieb stattdessen erst einmal Drehbücher.
1981 akzeptierte er das Angebot des
Produzenten Dino de Laurentis, Frank Herberts Science-Fiction-Bestseller
"Der Wüstenplanet" (1983) für die Leinwand
zu adaptieren. Die 40-Millionen-Dollar-Produktion endete
als künstlerisches und kommerzielles Fiasko.
Doch Lynch und de Laurentis setzten ihre Zusammenarbeit
trotzdem fort, allerdings auf einer in finanzieller
Hinsicht sehr viel bescheideneren Ebene: Für fünf Millionen
Dollar drehte Lynch "Blue Velvet" mit Isabella
Rossellini und Kyle MacLachlan. Er erhielt diesmal den
"Final Cut" und schaffte mit der bizarren
Kleinstadtgeschichte den internationalen Durchbruch.
Die amerikanische Provinz inspirierte
Lynch auch zu seiner ersten TV-Arbeit, der Serie "Das
Geheimnis von Twin Peaks" (1989 - 91). Den Pilotfilm
und einige weitere Folgen inszenierte Lynch selbst.
Das raffiniert konstruierte Kleinstadtpanorama, in dem
TV-Klischees einerseits ironisch bedient, andererseits
komplett auf den Kopf gestellt werden, entwickelte sich
1990 in den USA und ein Jahr später auch bei uns zum
Kulterfolg.
Ehe Lynch 1991 mit "Twin Peaks
- Der Film" eine Kino-Vorgeschichte zur Serie schuf
(und darin einen radikaleren, gegen alle Sehgewohnheiten
gerichteten Stil wählte), realisierte er mit dem zynisch-überdrehten
Roadmovie "Wild at Heart" mit Nicholas Cage
und Laura Dern (1990) einen weiteren internationalen
Hit. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde der Film
mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
David Lynch: "Filme müssen abstrakter
werden, denn es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten
für die Leute, sie mehr als einmal anzuschauen. Ein
Film muss so aufgebaut sein, dass auch ein mehrfaches
Anschauen phantastisch sein kann, dass man immer wieder
in die Welt des Films zurückfällt. Ich meine nicht,
dass ein Film keine Geschichte haben sollte, aber darüber
hinaus sollte er eine Welt kreieren oder eine Atmosphäre
oder eine Komplexität oder irgendetwas anderes, um einen
bei der Stange zu halten."
Die Ehefrau an seiner Seite heißt Mary
Sweeny. Aber David Lynch war bereits mit Peggy Lynch
(gemeinsamer Sohn Austin Jack) und Isabella Rossellini
im Hafen der Ehe.
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